Sternsinger

„Wir kommen daher aus dem Morgenland ...“

... so singen wir jedes Jahr an den Haustüren. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Zunächst führt er uns durch die steinige Wüste der Singproben. Dort lauern schwierige Passagen und etliche Stolpersteine. Nachdem wir das Tal der Anstrengung durchquert haben, wandeln wir jedoch mit schlafwandlerischer Sicherheit durch die Strophen und erklimmen ungeahnte Höhen. Kurz vor dem Gipfel erreichen wir den Palast von König Turban, der uns mit edlen Hosen, majestätischen Mänteln und königlichen Kopfbedeckungen ausstattet. Seine Begleiter gewähren uns sicheres Geleit über die letzte Hürde, den See der Verwandlung. Mit ruhiger und sicherer Hand steuern sie über das in allen Farben schillernde Wasser und am anderen Ufer gehen nicht mehr Europäer, sondern Afrikaner, Indianer und Asiaten mit kunstvollen Bärten an Land.

Nun dauert es nicht mehr lange, bis die Kreiden gesegnet und wir vom Kloster aus in alle Stadtteile ausgesendet werden. Damit beginnt der anstrengendste, aber auch aufregendste und spannendste Teil unserer Reise. Zu Dritt oder zu Viert singen wir vor jeder Haustür unsere Lieder, schreiben den Segen an die Tür und freuen uns, wenn das Kässchen, wie auch die Tasche für die Süßigkeiten immer schwerer wird. Mit der Zeit fällt auch das Singen schwerer, sodass wir alle froh sind, wenn wir wieder zu unserem Basislager ins Gemeindehaus zurückkehren können.

Dort verwandeln wir uns wieder in normale Europäer zurück und verteilen unsere Süßigkeiten nach dem Prinzip „gerecht, gerechter, Sternsinger“, während wir gespannt auf das Spendenergebnis unseres Kässchens warten. Ob es nun viel ist oder weniger, das Gesamtergebnis kann sich trotzdem sehen lassen: Wir Sternsinger haben in den letzten 50 Jahren, seit es uns schon gibt, über eine halbe Million Euro für Kinderhilfsprojekte in über 30 Ländern in der ganzen Welt gesammelt.

Mit dem Ziel diese noch weiter zu vermehren und vielen anderen Kindern damit zu helfen, sind wir insgesamt vier Tage in Laupheim unterwegs. Der Höhepunkt ist schließlich der gemeinsame Gottesdienst an Dreikönig, wo wir ein letztes Mal von unserer Reise singen. Der krönende Abschluss folgt allerdings ein paar Wochen später, wenn im Kloster für die hungrigen und ausgepowerten Könige ein leckeres Essen serviert wird. Danach laben wir uns bis in den Sommer hinein an unseren Süßigkeiten und freuen uns schon darauf, wenn es wieder heißt: 20 * C + M + B + 09!