50 Jahre Marienkirche

Am Sonntag, dem 19. Juli 1970, hat Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht der Marienkirche die Weihe gespendet und ihr den Titel „Maria, Königin des Friedens“ verliehen.

Zum Patrozinium schrieb Pfarrer Philipp Ruf: „Die Kirche zu Maria, der Königin des Friedens, ist für uns alle ein Mahnmal, den Frieden zu erflehen und den Frieden zu bereiten für eine friedlose Welt.“

Beim Kunsthistoriker Dr. Otto Beck ist nachzulesen, wie es zum Bau unserer zweiten Kirche kam: „Die ständig wachsende Zahl von Katholiken hatte schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen Umbau der Stadtkirche nahegelegt. Aber 1897 legte man die Pläne des Architekten Josef Cades beiseite und erwarb 1906 in der Unterstadt einen Platz für einen Neubau. 1914 wurde ein Kirchenbauverein gegründet, der beträchtliche Gelder zusammenbrachte. 1968 bis 1970 nahm das inzwischen noch dringlicher gewordene Vorhaben endlich Gestalt an … Am 30. September 1967 erfolgte der erste Spatenstich.“

Das Architekturbüro Pfalzer und Schenk entwickelte für die Kirche die Baupläne und die Sießener Franziskanerin Schwester Sigmunda May gestaltete den Chorraum mit seinen liturgischen Orten.

Ihrer Kunst hat sie diese Deutung gegeben:

„In der Architektur der Liebfrauenkirche kommt das Motiv der aufbrechenden Wand als gestaltendes Element an verschiedenen Stellen zum Ausdruck, wie zum Beispiel vorne links im Chor, wo durch geschichtete Betonklötze Durchbrüche geschaffen wurden. Die Idee der aus sich aufbrechenden lebendigen Form und ihre gestaltete Dynamik war letztlich auch Impuls für die Innenausstattung des Chores.

Aufbrechende Formen zeugen immer von Kraft und Dynamik. Wenn in der Natur Formen aus sich aufbrechen, wenn zum Beispiel ein Kern seine Schale sprengt, dann ist das ein Beweis von Kraft und Leben.

Das Motiv der dynamischen, lebendigen Form, das durch plastische Schwellung, durch Aufbrechen und Durchbrechen der Form gestaltet wird, geht durch alle Arbeiten hindurch und findet Ausdruck und Steigerung im Taufsteindeckel, im Tabernakel und besonders im Kreuz.

Im Taufstein soll die kompakte Form, gleich einer Knospe, Ausdruck von gesammelter Kraft werden. Der Taufsteindeckel dagegen ist aufgebrochene Form. Will man ihn öffnen, muss man das Kreuz fassen, das sich formal aus der aufbrechenden Mitte löst.

Beim Altar sind Stipes und Mensa so gestaltet, dass sie wie zwei Parabeln tangential aufeinandertreffen. Der Stipes des Altares ist eine nach unten geöffnete, auf der Erde lastende Form, die Mensa ist nach oben geöffnet. Das Aufeinandertreffen, das gegenseitige Sich-berühren beider Formen soll Ausdruck und Zeichen werden für das Geschehen am Altar, das letztlich ein Begegnen zwischen Gott und Mensch ist.

Die Tabernakelstele soll wie eine Monstranz für den Tabernakel sein, das heißt, dort, wo dieser Stein von oben her gespalten wird, dort ist formal die Einbruchstelle, wo der Kubus des Tabernakels wie eine Frucht aus dem Stein herauswächst. Auf jeder einzelnen der drei Tabernakelplatten ist in die formale Gestaltung ein Kreuz eingebunden als Symbol des dreifaltigen Gottes.

Das Kreuz, das den Chorraum als Zeichen und Symbol beherrscht, ist gesteigerte Dynamik. Starre Formverbände geraten hier in Bewegung und brechen auf. Neue Überschneidungen von senkrechten und waagrechten Kraftströmen und Richtungen entstehen dadurch und bilden neue Kreuze, die alle in dem großen Zeichen der Erlösung zusammengefasst werden.“

"Corona" wegen können wir dem Jubiläum leider keinen festlichen Rahmen geben. Aber die Gottesdienste in der Marienkirche werden diesen Sonntag den Anlass zumindest berücksichtigen.

Alexander Hermann