Chiemgauer Palmsonntag

Gestern noch waren sie ostergrün, die Wiesen, und erste Schmetterlinge flatterten durch wunderbar warme und windstille Märzenluft.

Heute, am frühen Morgen des Palmsonntags,
liegt eine Decke über allem, 
weißgrau wie das Fell des Esels,
auf dem der Herr einst in Jerusalem eingeritten.

Das Morgenlicht erreicht jetzt drüben
die schrundige, winterweiße Felsenkrone
der Kampenwand und färbt sie rötlich,
wie eine Vorahnung von baldiger Dornenkrone.

Nur ein paar Momente lang,
dann wandelt sich das Rötliche droben
und drunten das Eselsgraue
immer mehr ins helle Weiß des Osterlamms.

Lammweiß ziehen auch die kleinen Wattewolken
über das zarte, lichte Blau des Himmels,
vor dem die Palmkätzchen-Weide
silberlingsweiß blinkt.

Aus dem apernden Schnee zu ihren Füßen
schauen karfreitagsviolett die Veilchenaugen.


Elfriede Laspe