Warum ist Petrus fürs Wetter zuständig?

Fürs Wetter ist im Christentum der Apostel Petrus zuständig. Das gilt insbesondere für den deutschsprachigen Raum … Doch warum ist eigentlich gerade Petrus der Wettermacher schlechthin geworden? …

Den Motiven, die dazu führten, dass die Gläubigen ausgerechnet Petrus zum Wettermacher schlechthin kürten, ist der Religionswissenschaftler Theodor Lohmann 1960 nachgegangen.

Zunächst nennt Lohmann ein formales Motiv: Das Wetter ist in der Götterwelt stets Chefsache. In den einzelnen Religionen sind die obersten Götter immer Wettergötter oder sind zumindest auch für das Wetter zuständig, von Donar über den Blitze schleudernden Zeus bis hin zu Jahwe, der sich in einer Gewitterwolke verbirgt oder zum indischen Indra.

Weil Petrus innerhalb der Jünger Jesu und der Heiligen seit der Spätantike als oberster Apostel und Repräsentant der Kirche verehrt wurde, lag es nahe, so Lohmann, das Wettermachen ihm zu übertragen.

Als inhaltliche Parallele zwischen Donar und Petrus sieht der Religionswissenschaftler das Fels-Motiv. Wettergötter wie Donar wurden oft auf Bergen oder im Gebirge thronend gedacht. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass Regen und Gewitter von oben aus dem Himmel herabkommen. Der Mythos berichtet, dass Donar mit seinem Hammer Berge und Felsen spaltete. Hieraus ergibt sich für Lohmann ein Anknüpfungspunkt zum berühmten Jesus-Wort an Petrus aus dem Matthäus-Evangelium (16,18): "Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen." Der Felsenmann Petrus beerbt den Gott, der auf den Felsen wohnt …

Eine weitere Verbindung zwischen Petrus und Donar sind die Schlüssel, die seit dem 6. Jahrhundert ständiges Attribut des Apostels sind, aber auch in der germanischen Mythologie eine bedeutende Rolle spielen.

Ursprung des Schlüssels-Motivs ist das berühmte Jesus-Wort im Matthäus-Evangelium (16,19): "Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein." Dieses Wort wurde so gedeutet, dass Petrus durch den Besitz des Schlüssels Hausherr und Pförtner ist, der den Menschen den Himmel öffnet und verschließt.

Auch bei den Germanen spielte das Schlüsselmotiv eine gewisse Rolle. Der Schlüssel war Symbol für Donner und Blitz. Die germanische Wettergöttin Frigg hat in Darstellungen fast immer einen Schlüsselbund am Gürtel hängen. Donar selbst war ebenfalls ein Himmelspförtner, wenn auch mit Hammer statt mit Schlüsseln ausgestattet

Hinzu kommt das Hahn-Motiv, das mit einer der bekanntesten Geschichten über Petrus verbunden ist. Jesus sagte Petrus nach übereinstimmender Darstellung aller vier Evangelien vor seinem Abschied in der Nacht seines Todes voraus, dass der Apostel ihn verleugnen werde, noch bevor der Hahn gekräht habe. In der germanischen Religion spielte der Hahn wegen seiner roten Farben, wie Storch, Rotkelchen oder roter Fuchs eine Rolle als Gewittertier, das zu Donar gehört.

Soweit die Erklärungen des Religionswissenschaftlers. Einen zwingenden Beweis dafür, dass diese Motive tatsächlich ausschlaggebend dafür waren, dass Petrus fürs Wetter zuständig wurde, kann Lohmann nicht vorlegen. Das dürfte ebenso wenig möglich sein, wie eine 100-Prozent-zuverlässige Wettervorhersage.